Sparpaket als Studentenwohnung

Mit zunehmender wirtschaftlicher Misere in Deutschland nehmen auch die Forderungen nach preiswerterem Wohnraum deutlich zu. Besonders dramatisch stellt sich die Situation für unsere sozial benachteiligten Studenten dar. Große Reise- und Vergnügungsgelüste beuteln den elterlichen Studienwechsel ehedem schon über Gebühr, so daß für Banalitäten des Alltagslebens wie Mietzahlungen oder Monatskarten ohnehin eigentlich kein Geld mehr da ist. So muß sich denn der durchschnittliche Student mit einer unterdurchschnittlichen Bleibe zufrieden geben, wenn er nicht gerade über seinen Vater (Professor sucht für Sohn in Aachen...) günstig an eine Souterrainwohnung im edlen Villenvorort gelangen kann. Meist wohnen unsere Berliner Studenten daher in mäßigen Lagen Berlins, wie Wedding oder Prenzlauer Bergs, ausgestattet mit Ofenheizung oder Außenklo. Gerade für die Studentinnen bedeutet das Schleppen der schweren Kohlen, daß sie oft während der Wintermonate jämerlich Frieren müssen. Von einem Hauptmietvertrag können die meisten nur träumen und leben daher ständig mit der existentiellen Sorge, am nächsten morgen auf der Straße zu sitzen. Wir wollen daher unser Auge auf eine amerikanische Lösung richten, da uns die Amerikaner bei Immobilienfragen ja immer weit voraus sind und man so etwas dort sogar studieren kann. So läßt die Princeton University in New Jersey ihre Studenten nicht im Regen stehen, sondern vermietet ihnen ein einfaches Haus mit Garten für den Preis einer Berliner Einraumwohnung. Der deutsche Student Julian D. und seine amerikanische Verlobte Gage C. leben dort seit knapp 2 Jahren glücklich in ihrem Häuschen. "Unser kleines Haus sieht zwar aus wie eine Schuhbox, aber es ist noch riesiger als meine Schuhgröße 47!" berichtet uns der stolze Mieter. Auch seine Verlobte ist ganz begeistert: "Ich muß mich nicht mit schweren Kohlen abplagen, dafür haben wir unseren Hausdrachen, der uns ordentlich einheizt." Dabei zeigen uns die Amis wie es mit dem sparen funktioniert. Nicht nur am Design haben sie gespart, auch einen Keller oder jegliche Isolierung fehlt. Die Ausstattung ist spartanisch aber funktionell und das Raumangebot reicht sogar für die vielen Besucher, die sich aus dem Aus- und Inland ständig dort breit machen. Die fortschrittliche Einstellung der Universität zeigt sich auch bei den Mietvoraussetzungen. Man braucht dort keinen Trauschein für einen Wohnungsberechtigungsschein. Es reicht aus, vor Mietbeginn eine schriftliche Erklärung über die Führung einer eheähnlichen Gemeinschaft abzugeben. Jetzt zeigt sich, daß dieses Konzept auch erfolgreicher als eine Notehe zur WBS-Erschleichung ist: nach einem Jahr in ihrem gemütlichen Haus, haben sich die beiden Bewohner entschieden zu heiraten. Man kann darauf hoffen, daß sie sich bald ein Eigenheim zulegen werden und der nächsten Generation armer Studenten ihren kostengünstigen Wohnraum überlassen werden.