Sie Haben Sich Getraut

Gage Coulon (25) und Julian Dierkes (26) geben sich heute das Ja-Wort / Der Bundespräsident will nicht weichen / anschließend Feier und Feuerwerk auf Gut Schloß Golm.

Bpa(Berlin). Am heutigen Samstag den 15. Juni 1996 ist es endlich soweit. Nach achtjährigen Verhandlungen findet heute die formelle Unterzeichung des Abkommens zur deutsch-amerikanischen Freundschaft in der Peter und Paul Probstei in Potsdam statt. Anschließend feiern die Gipfelparteien mit Botschaftern und Botschafterinnen aus aller Welt den Vertragsabschluß im Gut Schloß Golm zu Potsdam.

Am heutigen Sonnabend, den 15. Juni 1996 ist es endlich soweit. Was an einem sonnigen Sommertag vor genau acht Jahren in Berkeley begann, führt uns alle heute nach Potsdam. Gage Coulon (25) aus Berkeley und Julian Dierkes (26) aus Berlin geben sich in der Peter und Paul Probstei um 15 Uhr das Ja-Wort.

Damals, am 16. Juni, 1988 wurde der Grundstein gelegt, als Gage Coulon (17) aus Berkely und Julian Dierkes (18) aus Berlin, sich zum ersten Mal die Hand gaben, bis der erste Kuß am letzten Schultag der beiden fiel. Nach einem langen und schönen californischen Sommer entschloß sich Julian doch bei seiner Gage in Berkeley zu bleiben, anstatt nach Berlin zurückzukehren. Schon bald darauf folgte die erste von vielen Durststrecken, als Gage für ein Jahr nach New York City an der Ostküste Amerikas zog. Nach einer neuen Phase der Annäherung ging Julian für ein Jahr - 1990/91, ins weit entfernte Tokyo. 1992 war das Jahr des Europäischen Kontinents: Julian zog es zurück nach Berlin, Gage fast zeitgleich nach Österreich. Ihre gemeinsame Berlinzeit überlappte sich zur Freude der beiden, wie auch aller Beteiligten für mehrere Monate. Doch im Frühjar 1993 kehrte Julian für ein halbes Jahr nach Tokio zurück, wo Gage ihn für ein paar Wochen besuchte. Danach zog Julian nach Princeton, New Jersey, und Gage zurück nach Kalifornien. Die Konstante im geographischen Wandel der beiden Reisenden blieb das alljähliche Weihnachtsfest in Bergkvara, Schweden. Als Gage 1993 nach New York City zog, wurde die Distanz der beiden mit einem Schlag wesentlich geringer. Jeden Freitag stieg Julian glücklich in den Zug von der Kleinstadt Princeton zur aufregenden Metropole NYC in die Brooklyner "Villa Kunterbunt" seiner Gage. Der nächste Umzug machte aus dem Liebespaar auch Nachbarn, als sich Gage im Herbst 1994 auch in Princeton niederließ. Im Frühjahr 1995 zogen beide endlich - auch ohne Trauschein - in die Married Students' Housing der Princeton University.

Im Sommer 1995 nahmen gewisse Pläne Formen an. Während eines heimlichen Abstechers nach Versailles kaufte Julian in engster Beratung mit Oncle Jean den Verlobungsring. An einem lauen, stillen, mond- und mückenbescherten Sommerabend auf Martha's Vineyard drehte ein nervöser Julian auf der Veranda seine Runden und versuchte, seine schöne Gage zu ihm rauszulocken. Überraschte und äußerst glücklich antwortete Gage auf die berühmte Frage (die, laut Berichten nicht einmal das wort "heiraten" enthielt) mit einem Ja. Als die frohe Botschaft am nächsten Abend verkündet wurde, reagierte die gesammelte Familie vorerst überrascht. Oma Dierkes bestellte gleich am nächsten Morgen als Verlobungsgeschenk die neuen Gartenmöbelchen für den Bungalow in Princeton.

Dann fingen allen Ernstens die Vorbereitungen an: die Suche nach einer Kirche, einem Priester, Addressen aus aller Welt, und natürlich angemessene Räumlichkeiten. Da trotz intensiver Verhandlungen Bundespräsident Herzog nicht weichen wollte, stand das Schloß Bellevue nicht zur Verfügung. Und so führt nach der Messe in der Peter und Paul Probstei der Weg der Hochzeitsgesellschaft in das nahegelegene Gut Schloß Golm, wo alle Feiernde mit Kaffee, Kuchen, und Sekt auf die vollbrachte Tat anstoßen dürfen. Anschließend werden die Gäste mit feinsten kulinarischen Genüssen verwöhnt. Für Musik, Tanz und Stimmung sorgen Onkel Manfred, sowie die Magic Music Girls. Zur Mitternachtsuppe sorgt ein Feuerwerk über dem See für zündende Atmosphäre.